Dienstag, 20. Juli 2010

Zwei Tage wie zwei Wochen

Es ist gleich 23 Uhr und mein zweiter Tag in Jenin geht langsam zu Ende. Ich fühle mich, als wäre ich schon mindestens zwei Wochen hier - so intensiv ist das Erlebnis, die Arbeit im Kino und vor allem das Leben in der Gruppe von Cinema Jenin, einem bunten Mix aus Palästinensern, Deutschen, Amerikanern, Dänen und vielen mehr...

Vor allem mein erster Tag gestern war sehr intensiv. Nachdem Dagmer um 4.30 Uhr dann auch durch die Kontrollen durch war, sind wir per Shuttle von Abu Kamal abgeholt und nach Jenin gebracht worden. Kurz nach Sechs sind wir angekommen, aber an Schlafen war nicht zu denken - war alles zu spannend. Nach und nach sind immer mehr des Teams aufgewacht und so konnte ich alle langsam kennenlernen. Gegen Neun gab's dann ein super Frühstück mit Fruchtsalat, Falafel, Hummus und arabischem Brot.

Den Tag habe ich dann dazu genutzt, erstmal auch mental hier 'anzukommen' und das Kino und die Leute kennenzulernen. Von außen habe ich schon ein paar Fotos gemacht, die hier folgen:

Von Cinema Jenin - So schauts hier aus

Dies ist das Cinema Jenin im Herzen von Jenin - im Norden der Westbank.

Von Cinema Jenin - So schauts hier aus

Hinter dem Kino entsteht dieser Garten mit einer Cafeteria (im Hintergrund), die von Allam geführt wird - ein Palästinenser, dem das Land, auf dem der Garten steht, gehört.

Und hier noch drei Fotos ohne Erklärung:
Von Cinema Jenin - So schauts hier aus

Von Cinema Jenin - So schauts hier aus

Von Cinema Jenin - So schauts hier aus


Wir Freiwilligen und eigentlich alle Ausländer, die mit dem Projekt zutun haben, wohnen im Cinema Jenin Guesthouse, welches nur 50m vom Kino entfernt an einer kleinen Nebenstraße steht:
Von Cinema Jenin - So schauts hier aus

Von Cinema Jenin - So schauts hier aus


Lieblings-Sitzplatz ist die Balkonterasse - auch zum Express-Wäschetrocknen bei 32 Grad genutzt:
Von Cinema Jenin - So schauts hier aus


Gerade fällt es mir schon schwer, mich daran zu erinnern, was ich gestern überhaupt genau gemacht habe...außer Leute kennenlernen und die Atmosphäre und das Ambiente hier aufsaugen, glaube ich, nicht viel. Ganz davon abgesehen, dass ich von der durchgemachten Nacht sowieso recht platt war. Abends gibt es hier immer um 19 Uhr immer ein Gruppentreffen - zur Planung der notwendigen Aktivitäten am nächsten Tag, aber auch, um bspw. den Teamspirit zu stärken, indem sich gegenseitig gratuliert wird für die großartige Arbeit und überhaupt die Tatsache, dass das Kino am 5. August - also in ca. zweieinhalb Wochen - die Tore öffnet mit einem dreitägigen Festival. Ich werde morgen mal Fotos von der Baustelle im Kino machen - es ist noch viel zutun, aber wir alle sind frohen Mutes, dass wir es bis zum Festival schaffen.

Heute habe ich dann - nach 8 Stunden Schlaf - erstmals richtig mit angepackt im Kino. Es musste Schutzfolien an den Wänden festgetackert werden, über die dann demnächst dunkelgrauer Stoff gezogen wird. Das haben wir zu dritt - zwei Hamburg und ich - den ganzen Tag gemacht. Sowieso ist zurzeit so ziemlich jeder in die Bauarbeiten des Kinos eingebunden, da es - wie gesagt - bis zum 5. August fertig werden muss und soll. Danach waren wir alle drei gut platt. Abends gabs ein großartiges Dinner mit vegetarischem Curry mit Kokosmilch und Erdnussbutter, dazu Mangolassi. Heute habe es abends Pfannkuchen mit Mangopürree. Auch sehr schön. Alles aus frischen Früchten versteht sich - hier schmecken vor allem die Mangos geradezu göttlich.

So, ich hätte zwar noch vielmehr zu erzählen, aber nun bin ich doch echt müde, so dass ich das auf morgen oder so verschieben werde. Drei Dinge kann ich auf jeden Fall festhalten:

1) Das Team von Cinema Jenin ist großartig - ich fühle mich nun nach 48 Stunden schon wie ein Teil einer großen, multikulturellen Familie.

2) Die Arbeit im Kino ist anstrengend, aber macht Spaß - vor allem, weil man stündlich Veränderungen sieht.

3) Die Israelis nimmt man hier zwar nicht persönlich, aber durch den Lärm der F-16 wahr, die regelmäßig - verblüffend niedrig - über die Stadt donnern.

Viele Grüße
Salam
Daniel

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