Es ist 03:23 Uhr in Israel und ich sitze in der Ankunftshalle des Ben Gurion Flughafens in Tel Aviv. Noch ca. 1-2 Stunden muss ich warten, bis Dagmar auch angekommen und durch die Sicherheitskontrollen gekommen ist. Dagmar hat das Projekt Cinema Jenin, in dem ich die nächsten zweieinhalb Monate als Freiwilliger arbeiten werde, mitbegründet. Mit ihr zusammen werde ich dann gegen 5 Uhr per Shuttle abgeholt und nach Jenin gefahren.
Das Warten ist gar nicht so schlimm, denn ich habe vorhin herausgefunden, dass es am Flughafen hier kostenloses Internet per W-Lan gibt. Da ich ja mit meinem Laptop unterwegs bin, kann ich die Wartezeit also problemlos z.B. damit überbrücken, Musik zu hören und nebenbei meinen ersten Blog-Eintrag zu schreiben.
Die Einreise nach Israel ist überraschend problemlos verlaufen. Wir sind mit etwas Verspätung gegen 1 Uhr gelandet. Direkt nach dem Aussteigen und der ersten Rolltreppe bin ich das erste Mal nach meinem Pass und dem Grund meines Aufenthalts gefragt worden. Kurz überlegt und direkt gesagt, dass ich als Freiwilliger in der Westbank arbeiten werde. Damit konnte der Herr entweder nix anfangen oder es genügte ihm, denn er ließ mich weiterlaufen. Einige hundert Meter weiter kam dann die offizielle Passkontrolle. Die Dame in dem Büdchen habe nett gebeten, ein Extrablatt zu stempeln, was sie - etwas widerwillig - dann auch getan hat. Die Konversation lief in etwa so:
"Why do you want an extra page?" - "Because it's a new passport, it's valid for ten years and I like to trave." - "Where do you want to travel to?" - "I'm not sure but I know some countries don't like Israeli stamps." - "Which countries?" - "I don't know yet." - "Syria?" - "Yes, maybe Syria." - "Iran?" - "No, not Iran." - "Ok, you can go."
Der extrra gestempelte Zettel wurde mir dann allerdings sofort von einem weiteren Kontrolleur wieder aus dem Passport genommen und einbehalten, so dass mein Pass nun ganz ohne jeglichen Stempel so ausschaut, als wäre ich nie nach Israel eingereist. Solange es keine Probleme bei der Ausreise gibt, bin ich also zufrieden!
Als nächstes wurde ich dann von einem jungen Herrn zu meinen Reiseplänen befragt. Ehrlich wie ich bin, habe ich natürlich sofort von dem Projekt erzählt. Das Gespräch war auch ganz interessant: "How did you find out about the project?" - "I read about it and wrote them." - "Why this project?" - "I like film and cinema and think it's very interesting." - (Augenverdrehen) "Yes, but why in Jenin?" - "An old cinema was renovated there and they are reopening it in August." - "Oh right, the old cinema...I heard about it...come with me please..."
Sodann musste ich mit meiner gesamten Baggage einer jungen Dame in einen extra Raum folgen, in dem sie sämtliches Hab und Gut von mir ausgepackt und mit einem kleinen Tuch abgestreift hat. Dieses kleine Tuch hat sich regelmäßig in eine Maschine gesteckt - wohl um es auf Bombenbaumaterialien oder so zu untersuchen...zum Glück ohne Erfolg! :-) Eine Stunde, viel Gepacke und diverse X-Ray-Untersuchungen meines Gepäcks später konnte ich dann den Staat Israel offiziell betreten.
Hier laufen übrigens wie an allen Flughäfen gewisse Ansagen in einer Endlosschleife. Neben dem gewöhnlichen "Please don't leave your luggage unattended" gesellt sich hier folgendes hinzu: "Attention please: Carrying weapons is prohibited in all the terminal halls." Wäre in Deutschland selbstverständlich, aber hier laufen die Israelis während ihres Militärdienstes, wenn sie bspw. nach Hause fahren, ganz selbstversändlich mit ihren Maschinengewehren durch die Gegend.
So, das Flugzeug von Dagmar ist schon etwas früher als erwartet gelandet. Hoffentlich kommt sie zügig durch die Sicherheitskontrollen. Ich werde die nächsten Minuten damit verbringen zu überlegen, ob ich mir für umgerechnet ca. 3.50 Euro einen Kaffee gönnen soll..
Salam und Schalom ('Frieden' auf Arabisch und Hebräisch)
Daniel
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