Nur noch sechs Tage bis zur Eröffnung und sowohl das Baustellen- als auch das Planungsteam sind rund um den Tag am rotieren und arbeiten. Das Kino nimmt immer mehr Form an. Die Wände sind komplett bekleidet, der Innenboden fertig und auch das Außengelände mit Open-Air-Kino und der Cafeteria sehen immer fertiger aus. Neue Fotos habe ich noch keine gemacht, das werde ich aber heute im Laufe des Tages nachholen und dann im nächsten Eintrag reinstellen.
Ich bin nun, wie schon geschrieben, im Presseteam für das Eröffnungsfestival zusammen mit Liva, die in Deutschland die letzten Monate die Pressearbeit für Cinema Jenin gemacht und sämtliche Presseanfragen bearbeitet hat. Die letzten zwei Tage habe ich eine Medieninfo - d.h. einen sechsseitigen Text, der in die Pressemappe für die Journalisten kommt - überarbeitet und auch sprachlich das Englisch etwas geglättet. Daneben planen wir unserer Aufgaben insbesondere für den ersten Tag des Festivals. Für die Eröffnung haben sich knapp 100 (!) lokale wie internationale Journalisten angekündigt - u.a. von ARD, ZDF, The Guardian, Le Monde, Al-Jazeera... Wird also viel zutun für unser Team, denn wir werden einen Stand im so genannten 'Welcome Center' haben, in dem alle Ankömmlinge des Festivals empfangen werden. Die Journalisten erhalten dort ihre Akkreditierung, Festivaltickets und eben die Pressemappe mit allgemeinen Informationen. Zudem müssen wir natürlich auch für allgemeine Fragen Rede und Antwort stehen bzw. die Journalisten an die entsprechenden Verantwortlichen verweisen können.
In den letzten zwei Tagen hat es zudem ein Diskussionsthema gegeben, welches mir und uns allen nochmals vor Augen geführt hat, dass wir hier in einem Konfliktland arbeiten und eben dieser Konflikt ein sehr sensibles Thema ist. Und zwar haben sich auch Israelis für das Festival angemeldet und es wurde ihnen zunächst auch mitgeteilt, dass ihre Teilnahme möglich und auch sicherheitstechnisch gesichert werden würde. Dazu muss man wissen, dass Jenin zu einer Zone in dem Westjordanland gehört, dass Israelis nicht betreten dürfen - und diese dies im Grunde auch kaum wollen, da Jenin eben bis vor wenigen Jahren noch Schauplatz von Kämpfen zwischen israelischen Soldaten und palästinensischen Widerstandskämpfern gewesen ist. Es werden allerdings teilweise Ausnahmen gemacht, wobei die Israelis dann ein Dokument unterschreiben müssen, in welchem sie u.a. angeben, dass sie für eine Zwei-Staaten-Lösung sind.
Dies hat für einige jedenfalls heftige Diskussionen gesorgt - zwar sind insbesondere die Palästinenser, die an dem Projekt mitarbeiten sehr liberal eingestellt und haben selbst nichts gegen Israelis (außer Soldaten und Siedlern, versteht sich). Aber das Kino ist halt nicht nur für seine Macher, sondern eben für Palästina und für die Menschen die hier lokal leben. Und viele dieser Menschen haben - durchaus verständlich - eine sehr kritische Sichtweise gegenüber Israel und allen seinen Bürgern. Bis vor zwei Jahren gab es quasi nächtlich Gefechte zwischen der IDF (Israeli Defense Force) und Palästinensern in der Stadt und 2002 wurde, wie ich ja schonmal kurz erwähnt hatte, das Jenin Flüchtlingslager komplett durch die Israelis zerstört. Dazu muss gesagt werden, dass in der Vergangenheit eine Vielzahl der Selbstmordattentäter, die sich in Israel in die Luft gesprengt haben, aus Jenin gekommen waren.
Zwei der Gründer des Vereins Cinema Jenin e.V. - Markus Vetter und Fakhri Hamad - fanden die Idee, Israelis beim Festival zu haben, anfangs gar nicht schlecht. Schließlich soll das Projekt grenzenübergreifend auch als Friedensprojekt verstanden werden. Aber einige, emotionale, intensive Diskussionen später war dann klar, dass das Kino noch zu jung und zu neu ist, um sich dieser sensiblen Thematik derart anzunehmen. Zudem hat es von einigen Seiten bereits Vorwürfe gegeben, dass das Kino-Projekt zu wenig die hiesige Kultur beachte. Dieser Vorwurf konnte dann aus der Welt geschaffe werden, als immer mehr lokale Bürger in das Kino eingeladen wurden und natürlich auch dutzende Palästinenser aus Jenin und den Orten drumherum mithelfen. Trotzdem hätte gerade ein Besuch von Israelis beim Eröffnungsfestival zur Folge haben können, dass dieses Festival zugleich zum Abschlussfestival wird, weil das Kino nicht mehr akzeptiert werden würde. Und das haben dann auch Markus und Fakhri heute eingesehen, so dass wir den Israelis nun nur noch diplomatisch kommunizieren müssen, dass ihre Anmeldung zwar nett gemeint war, wir sie aber aufgrund der fragilen Lage hier nicht akzeptieren können.
So, soweit von mir. In fünfzehn Minuten ist wieder Team-Meeting im Garten hinter dem Kino. Ich werde nachher einen letzten Blick auf die Mediainfo werfen und dann noch ein paar Portraits von einigen der Hauptverantwortlichen hier vom deutschen ins englische übersetzen. Die letzten Tage werden intensiv...ich will aber auf jeden Fall noch ein paar Mal auf der Baustelle mitarbeiten :-)
Salam,
Daniel
P.S.: Ein kurzer Zusatz zum täglichen Leben hier: Das Wasser hier wird von der Stadt ca. 1-2 mal die Woche in Wassertanks auf den Hausdächern geliefert. Da wir im Guesthouse mittlerweile bald 50 Leute sind, ist das Wasser in den letzten vier Tagen bereits dreimal alle gewesen. So auch heute - und an einem Freitag ist hier Feiertag und somit hat auch der Wasserlieferant frei. Ich habe zum Glück noch duschen können, aber ab 10 Uhr ging bzw. lief nichts mehr. Es hat dann fünf Stunden gedauert, bis wir den zuständigen Lieferanten haben aus seinem Haus, in sein Büro und mit dem Wasser-LKW hierher rütteln konnten. Für mich heißt das, dass ich morgen wieder rechtzeitig aufstehen werde...denn bei der Hitze hier ist es ohne eine kurze Dusche morgens oder zumindest ein kurzes Waschen doch etwas ungemütlich...
Freitag, 30. Juli 2010
Dienstag, 27. Juli 2010
Tackern, Mosaiktische, Fugen und palästinensische Gastfreundlichkeit
Ich sitze gerade auf der Balkonterrasse im Guesthouse und neben mir sitzen 15 andere volunteers und eine Journalistin der SZ und lassen den Tag gemeinsam bei Bier und Tee ausklingen. So enden unsere Tage hier eigentlich immer. Bei über 20 Freiwilligen, den palästinenschen Mitarbeitern und Freiwilligen, sowie den angestellten Technikern und Profis wird es hier nie langweilig, aber auch nie zuviel, was das Gerummel angeht - die Gruppendynamik ist großartig und wir sind wie eine riesige internationale Familie, an der einige länger und andere - wie bspw. die besagte Journalistin - nur einige Tage teilnehmen.
Die Arbeit im Kino geht eifrig weiter. Jeden Tag gibt es Veränderungen uns sieht das Kino etwas mehr fertig aus. Hinter dem Kino wird es ein Openairkino mit Bühne geben, für welches das Gerüst mittlerweile steht:
Außerdem ist nun auch schon die Hälfte des Kinos mit Stoff betackert worden. Hier ein paar Fotos davon - eins von der Bühne aus und eins von den Jungs und Mädels bei der Arbeit:
Neben den technischen Verkabelungen von Lautsprechern, Projektor, Lampen und Klimaanlagen - für die die Professionals im Team zuständig sind - können wir technisch eher unerfahrenen Volunteers uns bis zur Eröffnung nächste Woche der noch notwendigen baulichen Maßnahmen annehmen. Die Stühle, von denen ich geschrieben habe, sind nun abgeschlossen. Gestern habe ich dann bei einer etwas weniger körperlich anstrengenden Arbeit mitgemacht. Die Fabrik Al-Jalbouni, bei der wir die Stühle geschraubt haben, hat uns ca. 15 Tische aus Metall gefertigt, deren Platten mit von uns gefertigten Mosaiken belegt werden. Eine sehr meditative Arbeit - hier ein paar Fotos.
Von links nach rechts: Lara (eine Freiwillige), Allam (Mitarbeiter beim Cinema Jenin, der direkt nebenan wohnt und auf dessen Land der Garten des Kinos entsteht), Annette (die Frau von Markus Vetter) und Anne (eine weitere Freiwillige):
Die Kinder von Allam bei der Arbeit:
In Allams Hauseingang haben wir gearbeitet - Annette beaufsichtigt unser Werk und ist zufrieden :)
Allam ist - wie man an seinem Lächeln vermuten kann - ein unglaublich netter Mann. Ihm gehört, wie geschrieben, das Land, auf dem der Garten des Kinos steht und er wird auch für die Cafeteria im Garten verantwortlich sein. Ich werde versuchen, demnächst ein paar der Palästinenser hier detaillierter vorzustellen.
Am Abend jeden Tages um 19 Uhr haben wir ein Gruppenmeeting, von dem ich ja schon kurz erzählt hatte. Wir treffen uns immer hinter dem Kino, fassen die Ergebnisse des Tages zusammen und verteilen Aufgaben für Restarbeiten am Abend und die Arbeiten am nächsten Tag. Gestern abend gab es eine Überraschung. Mitten in dem Treffen kam der Governor vom Distrikt Jenin zusammen mit dem Leiter der Fatah von Jenin und der gesamten Fatah-Delegation Jenins zu Besuch. Der Governor und der Fatah-Kopf haben beide eine kurze Dankesrede an uns volunteers gerichtet. Vor allem der Governor hat die Arbeit mit rührenden Worten gewürdigt und verkündet, dass Jenin ein Ort für Besucher aller Religionen werden solle. Danach wurden dann allen Freiwilligen Dankesurkunden verteilt mit jeweiligem namentlichem Aufruf und Händeschütteln mit der gesamten Delegation. Es zeigt sich also, dass das Projekt hier sowohl von den Bürgern als auch von den Politikern nicht nur akzeptiert, sondern auch voll unterstützt wird.
Dazu fällt mir eine weitere Sache ein: Für die Eröffnung ist als großer musikalischer Act ein Auftritt von dem Trio Gibran - einer internationalen palästinensischen Musiktruppe - eingeplant. Dieser drohte zu platzen, nachdem Gelder, die von der Palästinensischen Autonomiebehörde versprochen wurden, nicht gekommen waren. Markus hatte deshalb vor drei Tagen verkündet, dass dem Trio abgesagt werden musste und diese schlechte Nachricht dem Premierminister Salam Fayyad überbracht werden würde. Gestern hat Markus dann eine freudige Nachricht mitgebracht: Bei einem Treffen mit Fayyad hat dieser das Projekt wohl in höchsten Tönen gelobt, großes Interesse bekundet UND versprochen, dass das Geld noch diese Woche kommen würde. Heute ist es auf dem Konto angekommen und das Trio kann kommen. Tja, neben einem schönen Kino wird mit dem Projekt also auch die Effizienz der Politik hier erzogen ;-) Zudem hat sich Fayyad auch zum Festival angekündigt.
Zum Ende noch kurz etwas zum heutigen Tag: Nach dem Frühstück habe ich mit Anne auf einem Drittel des Hinterhofs des Kinos - wo das Open-Air-Kino entsteht - die Fugen zwischen Sandsteinen mit Mörtel gefüllt. Dabei hat uns Mustafa, ein ca. 14jähriger palästinensischer Junge eifrig beim Anmischen des Mörtels geholfen. Damit waren wir in drei Stunden fertig. Dann habe ich mit Amjat (einem Palästinenser) und einem Ami Lampen angemalt für zwei Stunden. Und danach hat Amjat gefragt, ob ich mit ihm bei einem Freund Kaffee trinken und etwas Essen möchte. Klar bin ich mitgegangen. Sein Freund, Mahmudi, arbeitet in einem kleinen Schlachterladen, wo wir uns dann dazugesetzt und wenige Minuten später arabischen Kaffee und Falafel in Pitabrot gekriegt haben. Mahmudi und einige weitere Freunde waren dabei und mit Amjat als Übersetzer haben wir uns unterhalten. Wie ich ja bereits geschrieben hatte, ist die Gastfreundlichkeit der Palästinenser ganz besonder. Mahmudi hat mehrfach gesagt, dass er sich freue, dass ich ihn mit Amjat besuche und dass ich unbedingt wieder kommen müsse. Ein anderer Palästinenser, Urwa, der auch im Projekt mitarbeitet, hat mich in das Dorf, wo er wohnt eingeladen, und noch ein anderer, Yusef, wohnt im Flüchtlingslager von Jenin (das geht in die Stadt Jenin über) und hat mir heute erneut angeboten, mir dort eine Führung zu geben. Das Lager ist 2002 bei einem israelischen Angriff komplett zerstört worden.
So, jetzt habe ich wieder eine ganze Menge - hoffentlich nicht allzu wirr - geschrieben. Ich habe, wie immer, noch vieeel mehr zu erzählen, soviel passiert hier jeden Tag. Aber für heute höre ich besser auf. Ich werde in einem der nächsten Beiträge mal unseren 'normalen' Tagesablauf hier beschreiben. Ach ja, eine Sache noch - heute sind die Aufgaben für das Festival vergeben worden und ich bin im Presseteam, d.h. Betreuung der anreisenden internationalen Presse, Verfassen von Pressemitteilungen, Ansprechpartner für Gäste etc. Sehr interessant!
Zu guter Letzt ein Foto von den Plakaten, die in Jenin und allen größeren Städten der Westbank (insb. Nablus, Ramallah und Jerusalem) verteilt wurden zur Werbung für das Kino:
Gute Nacht, Salam und bis bald!
Daniel
Die Arbeit im Kino geht eifrig weiter. Jeden Tag gibt es Veränderungen uns sieht das Kino etwas mehr fertig aus. Hinter dem Kino wird es ein Openairkino mit Bühne geben, für welches das Gerüst mittlerweile steht:
| Von Im Bau - Mosaiktische und Tackern |
Außerdem ist nun auch schon die Hälfte des Kinos mit Stoff betackert worden. Hier ein paar Fotos davon - eins von der Bühne aus und eins von den Jungs und Mädels bei der Arbeit:
| Von Im Bau - Mosaiktische und Tackern |
| Von Im Bau - Mosaiktische und Tackern |
Neben den technischen Verkabelungen von Lautsprechern, Projektor, Lampen und Klimaanlagen - für die die Professionals im Team zuständig sind - können wir technisch eher unerfahrenen Volunteers uns bis zur Eröffnung nächste Woche der noch notwendigen baulichen Maßnahmen annehmen. Die Stühle, von denen ich geschrieben habe, sind nun abgeschlossen. Gestern habe ich dann bei einer etwas weniger körperlich anstrengenden Arbeit mitgemacht. Die Fabrik Al-Jalbouni, bei der wir die Stühle geschraubt haben, hat uns ca. 15 Tische aus Metall gefertigt, deren Platten mit von uns gefertigten Mosaiken belegt werden. Eine sehr meditative Arbeit - hier ein paar Fotos.
Von links nach rechts: Lara (eine Freiwillige), Allam (Mitarbeiter beim Cinema Jenin, der direkt nebenan wohnt und auf dessen Land der Garten des Kinos entsteht), Annette (die Frau von Markus Vetter) und Anne (eine weitere Freiwillige):
| Von Im Bau - Mosaiktische und Tackern |
Die Kinder von Allam bei der Arbeit:
| Von Im Bau - Mosaiktische und Tackern |
| Von Im Bau - Mosaiktische und Tackern |
In Allams Hauseingang haben wir gearbeitet - Annette beaufsichtigt unser Werk und ist zufrieden :)
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| Von Im Bau - Mosaiktische und Tackern |
Allam ist - wie man an seinem Lächeln vermuten kann - ein unglaublich netter Mann. Ihm gehört, wie geschrieben, das Land, auf dem der Garten des Kinos steht und er wird auch für die Cafeteria im Garten verantwortlich sein. Ich werde versuchen, demnächst ein paar der Palästinenser hier detaillierter vorzustellen.
Am Abend jeden Tages um 19 Uhr haben wir ein Gruppenmeeting, von dem ich ja schon kurz erzählt hatte. Wir treffen uns immer hinter dem Kino, fassen die Ergebnisse des Tages zusammen und verteilen Aufgaben für Restarbeiten am Abend und die Arbeiten am nächsten Tag. Gestern abend gab es eine Überraschung. Mitten in dem Treffen kam der Governor vom Distrikt Jenin zusammen mit dem Leiter der Fatah von Jenin und der gesamten Fatah-Delegation Jenins zu Besuch. Der Governor und der Fatah-Kopf haben beide eine kurze Dankesrede an uns volunteers gerichtet. Vor allem der Governor hat die Arbeit mit rührenden Worten gewürdigt und verkündet, dass Jenin ein Ort für Besucher aller Religionen werden solle. Danach wurden dann allen Freiwilligen Dankesurkunden verteilt mit jeweiligem namentlichem Aufruf und Händeschütteln mit der gesamten Delegation. Es zeigt sich also, dass das Projekt hier sowohl von den Bürgern als auch von den Politikern nicht nur akzeptiert, sondern auch voll unterstützt wird.
Dazu fällt mir eine weitere Sache ein: Für die Eröffnung ist als großer musikalischer Act ein Auftritt von dem Trio Gibran - einer internationalen palästinensischen Musiktruppe - eingeplant. Dieser drohte zu platzen, nachdem Gelder, die von der Palästinensischen Autonomiebehörde versprochen wurden, nicht gekommen waren. Markus hatte deshalb vor drei Tagen verkündet, dass dem Trio abgesagt werden musste und diese schlechte Nachricht dem Premierminister Salam Fayyad überbracht werden würde. Gestern hat Markus dann eine freudige Nachricht mitgebracht: Bei einem Treffen mit Fayyad hat dieser das Projekt wohl in höchsten Tönen gelobt, großes Interesse bekundet UND versprochen, dass das Geld noch diese Woche kommen würde. Heute ist es auf dem Konto angekommen und das Trio kann kommen. Tja, neben einem schönen Kino wird mit dem Projekt also auch die Effizienz der Politik hier erzogen ;-) Zudem hat sich Fayyad auch zum Festival angekündigt.
Zum Ende noch kurz etwas zum heutigen Tag: Nach dem Frühstück habe ich mit Anne auf einem Drittel des Hinterhofs des Kinos - wo das Open-Air-Kino entsteht - die Fugen zwischen Sandsteinen mit Mörtel gefüllt. Dabei hat uns Mustafa, ein ca. 14jähriger palästinensischer Junge eifrig beim Anmischen des Mörtels geholfen. Damit waren wir in drei Stunden fertig. Dann habe ich mit Amjat (einem Palästinenser) und einem Ami Lampen angemalt für zwei Stunden. Und danach hat Amjat gefragt, ob ich mit ihm bei einem Freund Kaffee trinken und etwas Essen möchte. Klar bin ich mitgegangen. Sein Freund, Mahmudi, arbeitet in einem kleinen Schlachterladen, wo wir uns dann dazugesetzt und wenige Minuten später arabischen Kaffee und Falafel in Pitabrot gekriegt haben. Mahmudi und einige weitere Freunde waren dabei und mit Amjat als Übersetzer haben wir uns unterhalten. Wie ich ja bereits geschrieben hatte, ist die Gastfreundlichkeit der Palästinenser ganz besonder. Mahmudi hat mehrfach gesagt, dass er sich freue, dass ich ihn mit Amjat besuche und dass ich unbedingt wieder kommen müsse. Ein anderer Palästinenser, Urwa, der auch im Projekt mitarbeitet, hat mich in das Dorf, wo er wohnt eingeladen, und noch ein anderer, Yusef, wohnt im Flüchtlingslager von Jenin (das geht in die Stadt Jenin über) und hat mir heute erneut angeboten, mir dort eine Führung zu geben. Das Lager ist 2002 bei einem israelischen Angriff komplett zerstört worden.
So, jetzt habe ich wieder eine ganze Menge - hoffentlich nicht allzu wirr - geschrieben. Ich habe, wie immer, noch vieeel mehr zu erzählen, soviel passiert hier jeden Tag. Aber für heute höre ich besser auf. Ich werde in einem der nächsten Beiträge mal unseren 'normalen' Tagesablauf hier beschreiben. Ach ja, eine Sache noch - heute sind die Aufgaben für das Festival vergeben worden und ich bin im Presseteam, d.h. Betreuung der anreisenden internationalen Presse, Verfassen von Pressemitteilungen, Ansprechpartner für Gäste etc. Sehr interessant!
Zu guter Letzt ein Foto von den Plakaten, die in Jenin und allen größeren Städten der Westbank (insb. Nablus, Ramallah und Jerusalem) verteilt wurden zur Werbung für das Kino:
| Von Im Bau - Mosaiktische und Tackern |
Gute Nacht, Salam und bis bald!
Daniel
Samstag, 24. Juli 2010
Stühle schrauben
Es hat ein paar Tage gedauert seit meinem letzten Posting, aber die letzten Tage waren wir auch ziemlich aktiv. Ich bin in einer Gruppe, in der wir die Stühle für das Kino zusammenschrauben. Ziemlich anstrengende Arbeit, aber die Leute sind klasse, so dass es Spaß macht. Und natürlich haben wir alle das Ziel im Kopf, alles in einer Woche fertig zu haben. Danach wird es dann entspannter und andere Dinge und Aktivitäten können angegangen werden :-)
Hier ein paar Fotos - zunächst wurden die Seitenteile der Stühle aus Gusseisen abgesprüht (von Anne). Die Seitenteile sind die Originalen von dem alten Kino von vor 50 Jahren. Diese wurden Ende der Achtziger, als das Kino infolge der ersten Intifada schließen musste, abgebaut und gelagert:
Dann ging es ans zusammenschrauben - immer zwei Seitenteile, ein Kissenpolster und eine Rückenlehne:
An den ersten zwei Tagen haben wir 130 Stühle zusammengeschraubt - in Reihen von 3,4,5,6 und 7 - dann mussten wir leider feststellen, dass wir alle Rückenlehnen falsch herum angeschraubt hatte. Tolle Sache. Am nächsten Tag haben wir die dann alle wieder abschrauben und umdrehen müssen. Jetzt haben wir ca. 170 Stühle fertig. Insgesamt sind es 350. Wenn die fertig sind, habe ich auch wieder mehr Zeit zu schreiben.
Jetzt bin ich ganz schön müde und werde kurz aufs Dach gehen, etwas mit den Leuten quatschen. In einer halben Stunde bin ich dann aber im Bett.
Hier noch ein paar Fotos aus Jenin:
Gute Nacht!
Hier ein paar Fotos - zunächst wurden die Seitenteile der Stühle aus Gusseisen abgesprüht (von Anne). Die Seitenteile sind die Originalen von dem alten Kino von vor 50 Jahren. Diese wurden Ende der Achtziger, als das Kino infolge der ersten Intifada schließen musste, abgebaut und gelagert:
| Von Stühle schrauben fürs Kino |
Dann ging es ans zusammenschrauben - immer zwei Seitenteile, ein Kissenpolster und eine Rückenlehne:
| Von Stühle schrauben fürs Kino |
| Von Stühle schrauben fürs Kino |
An den ersten zwei Tagen haben wir 130 Stühle zusammengeschraubt - in Reihen von 3,4,5,6 und 7 - dann mussten wir leider feststellen, dass wir alle Rückenlehnen falsch herum angeschraubt hatte. Tolle Sache. Am nächsten Tag haben wir die dann alle wieder abschrauben und umdrehen müssen. Jetzt haben wir ca. 170 Stühle fertig. Insgesamt sind es 350. Wenn die fertig sind, habe ich auch wieder mehr Zeit zu schreiben.
Jetzt bin ich ganz schön müde und werde kurz aufs Dach gehen, etwas mit den Leuten quatschen. In einer halben Stunde bin ich dann aber im Bett.
Hier noch ein paar Fotos aus Jenin:
| Von Cinema Jenin - So schauts hier aus |
| Von Cinema Jenin - So schauts hier aus |
Gute Nacht!
Mittwoch, 21. Juli 2010
Fotos von der Baustelle
Wie versprochen habe ich heute ein paar Fotos von der Baustelle im Kino gemacht. Es sieht noch alles sehr 'in Arbeit' aus - aber, wie gesagt, in zwei Wochen öffnen die Tore und bis dahin ist alles fertig!
Hier ein Blick auf die Hauptbühne des Kinos. Dort wird auch die Leinwand sein und zur Zeit auch die Halterung des Vorhangs fertig gemacht (dazu ist das grüne, wackelig aussehende - ist es auch - Gestell da):
Gegenüber der Bühne ist eine Tribühne auf der oben auch Leute werden sitzen können:
Alles was jetzt noch so gelblich ausschaut wird übrigens demnächst noch mit dunkelgrauem Stoff bezogen. Dazu haben Torben, Anuj und ich die letzten Tage, die letzten Stellen über den Holzbalken mit Plastikfolie betackert, über die dann der Stoff gelegt wird:
Draußen wird hinter dem Kino zum einen eine weitere Bühne gebaut - sie wird als schwarzes Gestell zurzeit noch geschweißt - und außerdem steht in dem Häuschen links ein weiterer Projektor, mit dem Filme auf die Rückwand des Kinos projeziert werden können. (Einmal aufs Bild klicken - dann gehts auch größer):
Zuletzt gibt es noch ein Foto von Isie und dem Cinema Jenin Hund Tamtam - einem sehr neugierigen, niedlichen kleinen Kumpanen:
Zum Tag heute schreibe ich später mehr. Wir waren wieder alle im Kino beschäftigt - einerseits mit dem Tackern, das wir endlich abgeschlossen haben. Andererseits musste der teuere Projektor von ganz oben hinter der Tribühne nach unten und in das kleine Häuschen im Garten transportiert werden. Gar kein leichtes Unterfangen, denn das Teil ist ganz schön schwer und dazu noch 50.000 Euro wert...da möchte man nicht derjenige sein, der für seinen Fall verantwortlich ist ;-)
Jetzt wird hier in der Küche gerade Essen zubereitet und ich sollte mal aufhören zu schreiben und mithelfen. Annette (die Frau von Markus, einem der Hauptinitiatoren des Projekts und Filmemacher) hat Gulasch zubereitet.
Also, später oder morgen gibts mehr - und auch ein paar Infos zu den Leuten hier. Die Gastfreundlichkeit der Palästinenser ist unglaublich - man wird überall begrüßt, angelächelt und angesprochen.
Sonnige Grüße! Salam!
Hier ein Blick auf die Hauptbühne des Kinos. Dort wird auch die Leinwand sein und zur Zeit auch die Halterung des Vorhangs fertig gemacht (dazu ist das grüne, wackelig aussehende - ist es auch - Gestell da):
![]() |
| Von Cinema Jenin - So schauts hier aus |
Gegenüber der Bühne ist eine Tribühne auf der oben auch Leute werden sitzen können:
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| Von Cinema Jenin - So schauts hier aus |
Alles was jetzt noch so gelblich ausschaut wird übrigens demnächst noch mit dunkelgrauem Stoff bezogen. Dazu haben Torben, Anuj und ich die letzten Tage, die letzten Stellen über den Holzbalken mit Plastikfolie betackert, über die dann der Stoff gelegt wird:
| Von Cinema Jenin - So schauts hier aus |
Draußen wird hinter dem Kino zum einen eine weitere Bühne gebaut - sie wird als schwarzes Gestell zurzeit noch geschweißt - und außerdem steht in dem Häuschen links ein weiterer Projektor, mit dem Filme auf die Rückwand des Kinos projeziert werden können. (Einmal aufs Bild klicken - dann gehts auch größer):
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| Von Cinema Jenin - So schauts hier aus |
| Von Cinema Jenin - So schauts hier aus |
Zuletzt gibt es noch ein Foto von Isie und dem Cinema Jenin Hund Tamtam - einem sehr neugierigen, niedlichen kleinen Kumpanen:
| Von Cinema Jenin - So schauts hier aus |
Zum Tag heute schreibe ich später mehr. Wir waren wieder alle im Kino beschäftigt - einerseits mit dem Tackern, das wir endlich abgeschlossen haben. Andererseits musste der teuere Projektor von ganz oben hinter der Tribühne nach unten und in das kleine Häuschen im Garten transportiert werden. Gar kein leichtes Unterfangen, denn das Teil ist ganz schön schwer und dazu noch 50.000 Euro wert...da möchte man nicht derjenige sein, der für seinen Fall verantwortlich ist ;-)
Jetzt wird hier in der Küche gerade Essen zubereitet und ich sollte mal aufhören zu schreiben und mithelfen. Annette (die Frau von Markus, einem der Hauptinitiatoren des Projekts und Filmemacher) hat Gulasch zubereitet.
Also, später oder morgen gibts mehr - und auch ein paar Infos zu den Leuten hier. Die Gastfreundlichkeit der Palästinenser ist unglaublich - man wird überall begrüßt, angelächelt und angesprochen.
Sonnige Grüße! Salam!
Dienstag, 20. Juli 2010
Zwei Tage wie zwei Wochen
Es ist gleich 23 Uhr und mein zweiter Tag in Jenin geht langsam zu Ende. Ich fühle mich, als wäre ich schon mindestens zwei Wochen hier - so intensiv ist das Erlebnis, die Arbeit im Kino und vor allem das Leben in der Gruppe von Cinema Jenin, einem bunten Mix aus Palästinensern, Deutschen, Amerikanern, Dänen und vielen mehr...
Vor allem mein erster Tag gestern war sehr intensiv. Nachdem Dagmer um 4.30 Uhr dann auch durch die Kontrollen durch war, sind wir per Shuttle von Abu Kamal abgeholt und nach Jenin gebracht worden. Kurz nach Sechs sind wir angekommen, aber an Schlafen war nicht zu denken - war alles zu spannend. Nach und nach sind immer mehr des Teams aufgewacht und so konnte ich alle langsam kennenlernen. Gegen Neun gab's dann ein super Frühstück mit Fruchtsalat, Falafel, Hummus und arabischem Brot.
Den Tag habe ich dann dazu genutzt, erstmal auch mental hier 'anzukommen' und das Kino und die Leute kennenzulernen. Von außen habe ich schon ein paar Fotos gemacht, die hier folgen:
Dies ist das Cinema Jenin im Herzen von Jenin - im Norden der Westbank.
Hinter dem Kino entsteht dieser Garten mit einer Cafeteria (im Hintergrund), die von Allam geführt wird - ein Palästinenser, dem das Land, auf dem der Garten steht, gehört.
Und hier noch drei Fotos ohne Erklärung:
Wir Freiwilligen und eigentlich alle Ausländer, die mit dem Projekt zutun haben, wohnen im Cinema Jenin Guesthouse, welches nur 50m vom Kino entfernt an einer kleinen Nebenstraße steht:
Lieblings-Sitzplatz ist die Balkonterasse - auch zum Express-Wäschetrocknen bei 32 Grad genutzt:
Gerade fällt es mir schon schwer, mich daran zu erinnern, was ich gestern überhaupt genau gemacht habe...außer Leute kennenlernen und die Atmosphäre und das Ambiente hier aufsaugen, glaube ich, nicht viel. Ganz davon abgesehen, dass ich von der durchgemachten Nacht sowieso recht platt war. Abends gibt es hier immer um 19 Uhr immer ein Gruppentreffen - zur Planung der notwendigen Aktivitäten am nächsten Tag, aber auch, um bspw. den Teamspirit zu stärken, indem sich gegenseitig gratuliert wird für die großartige Arbeit und überhaupt die Tatsache, dass das Kino am 5. August - also in ca. zweieinhalb Wochen - die Tore öffnet mit einem dreitägigen Festival. Ich werde morgen mal Fotos von der Baustelle im Kino machen - es ist noch viel zutun, aber wir alle sind frohen Mutes, dass wir es bis zum Festival schaffen.
Heute habe ich dann - nach 8 Stunden Schlaf - erstmals richtig mit angepackt im Kino. Es musste Schutzfolien an den Wänden festgetackert werden, über die dann demnächst dunkelgrauer Stoff gezogen wird. Das haben wir zu dritt - zwei Hamburg und ich - den ganzen Tag gemacht. Sowieso ist zurzeit so ziemlich jeder in die Bauarbeiten des Kinos eingebunden, da es - wie gesagt - bis zum 5. August fertig werden muss und soll. Danach waren wir alle drei gut platt. Abends gabs ein großartiges Dinner mit vegetarischem Curry mit Kokosmilch und Erdnussbutter, dazu Mangolassi. Heute habe es abends Pfannkuchen mit Mangopürree. Auch sehr schön. Alles aus frischen Früchten versteht sich - hier schmecken vor allem die Mangos geradezu göttlich.
So, ich hätte zwar noch vielmehr zu erzählen, aber nun bin ich doch echt müde, so dass ich das auf morgen oder so verschieben werde. Drei Dinge kann ich auf jeden Fall festhalten:
1) Das Team von Cinema Jenin ist großartig - ich fühle mich nun nach 48 Stunden schon wie ein Teil einer großen, multikulturellen Familie.
2) Die Arbeit im Kino ist anstrengend, aber macht Spaß - vor allem, weil man stündlich Veränderungen sieht.
3) Die Israelis nimmt man hier zwar nicht persönlich, aber durch den Lärm der F-16 wahr, die regelmäßig - verblüffend niedrig - über die Stadt donnern.
Viele Grüße
Salam
Daniel
Vor allem mein erster Tag gestern war sehr intensiv. Nachdem Dagmer um 4.30 Uhr dann auch durch die Kontrollen durch war, sind wir per Shuttle von Abu Kamal abgeholt und nach Jenin gebracht worden. Kurz nach Sechs sind wir angekommen, aber an Schlafen war nicht zu denken - war alles zu spannend. Nach und nach sind immer mehr des Teams aufgewacht und so konnte ich alle langsam kennenlernen. Gegen Neun gab's dann ein super Frühstück mit Fruchtsalat, Falafel, Hummus und arabischem Brot.
Den Tag habe ich dann dazu genutzt, erstmal auch mental hier 'anzukommen' und das Kino und die Leute kennenzulernen. Von außen habe ich schon ein paar Fotos gemacht, die hier folgen:
| Von Cinema Jenin - So schauts hier aus |
Dies ist das Cinema Jenin im Herzen von Jenin - im Norden der Westbank.
| Von Cinema Jenin - So schauts hier aus |
Hinter dem Kino entsteht dieser Garten mit einer Cafeteria (im Hintergrund), die von Allam geführt wird - ein Palästinenser, dem das Land, auf dem der Garten steht, gehört.
Und hier noch drei Fotos ohne Erklärung:
| Von Cinema Jenin - So schauts hier aus |
| Von Cinema Jenin - So schauts hier aus |
| Von Cinema Jenin - So schauts hier aus |
Wir Freiwilligen und eigentlich alle Ausländer, die mit dem Projekt zutun haben, wohnen im Cinema Jenin Guesthouse, welches nur 50m vom Kino entfernt an einer kleinen Nebenstraße steht:
| Von Cinema Jenin - So schauts hier aus |
| Von Cinema Jenin - So schauts hier aus |
Lieblings-Sitzplatz ist die Balkonterasse - auch zum Express-Wäschetrocknen bei 32 Grad genutzt:
| Von Cinema Jenin - So schauts hier aus |
Gerade fällt es mir schon schwer, mich daran zu erinnern, was ich gestern überhaupt genau gemacht habe...außer Leute kennenlernen und die Atmosphäre und das Ambiente hier aufsaugen, glaube ich, nicht viel. Ganz davon abgesehen, dass ich von der durchgemachten Nacht sowieso recht platt war. Abends gibt es hier immer um 19 Uhr immer ein Gruppentreffen - zur Planung der notwendigen Aktivitäten am nächsten Tag, aber auch, um bspw. den Teamspirit zu stärken, indem sich gegenseitig gratuliert wird für die großartige Arbeit und überhaupt die Tatsache, dass das Kino am 5. August - also in ca. zweieinhalb Wochen - die Tore öffnet mit einem dreitägigen Festival. Ich werde morgen mal Fotos von der Baustelle im Kino machen - es ist noch viel zutun, aber wir alle sind frohen Mutes, dass wir es bis zum Festival schaffen.
Heute habe ich dann - nach 8 Stunden Schlaf - erstmals richtig mit angepackt im Kino. Es musste Schutzfolien an den Wänden festgetackert werden, über die dann demnächst dunkelgrauer Stoff gezogen wird. Das haben wir zu dritt - zwei Hamburg und ich - den ganzen Tag gemacht. Sowieso ist zurzeit so ziemlich jeder in die Bauarbeiten des Kinos eingebunden, da es - wie gesagt - bis zum 5. August fertig werden muss und soll. Danach waren wir alle drei gut platt. Abends gabs ein großartiges Dinner mit vegetarischem Curry mit Kokosmilch und Erdnussbutter, dazu Mangolassi. Heute habe es abends Pfannkuchen mit Mangopürree. Auch sehr schön. Alles aus frischen Früchten versteht sich - hier schmecken vor allem die Mangos geradezu göttlich.
So, ich hätte zwar noch vielmehr zu erzählen, aber nun bin ich doch echt müde, so dass ich das auf morgen oder so verschieben werde. Drei Dinge kann ich auf jeden Fall festhalten:
1) Das Team von Cinema Jenin ist großartig - ich fühle mich nun nach 48 Stunden schon wie ein Teil einer großen, multikulturellen Familie.
2) Die Arbeit im Kino ist anstrengend, aber macht Spaß - vor allem, weil man stündlich Veränderungen sieht.
3) Die Israelis nimmt man hier zwar nicht persönlich, aber durch den Lärm der F-16 wahr, die regelmäßig - verblüffend niedrig - über die Stadt donnern.
Viele Grüße
Salam
Daniel
Montag, 19. Juli 2010
Warten am Ben Gurion Airport
Es ist 03:23 Uhr in Israel und ich sitze in der Ankunftshalle des Ben Gurion Flughafens in Tel Aviv. Noch ca. 1-2 Stunden muss ich warten, bis Dagmar auch angekommen und durch die Sicherheitskontrollen gekommen ist. Dagmar hat das Projekt Cinema Jenin, in dem ich die nächsten zweieinhalb Monate als Freiwilliger arbeiten werde, mitbegründet. Mit ihr zusammen werde ich dann gegen 5 Uhr per Shuttle abgeholt und nach Jenin gefahren.
Das Warten ist gar nicht so schlimm, denn ich habe vorhin herausgefunden, dass es am Flughafen hier kostenloses Internet per W-Lan gibt. Da ich ja mit meinem Laptop unterwegs bin, kann ich die Wartezeit also problemlos z.B. damit überbrücken, Musik zu hören und nebenbei meinen ersten Blog-Eintrag zu schreiben.
Die Einreise nach Israel ist überraschend problemlos verlaufen. Wir sind mit etwas Verspätung gegen 1 Uhr gelandet. Direkt nach dem Aussteigen und der ersten Rolltreppe bin ich das erste Mal nach meinem Pass und dem Grund meines Aufenthalts gefragt worden. Kurz überlegt und direkt gesagt, dass ich als Freiwilliger in der Westbank arbeiten werde. Damit konnte der Herr entweder nix anfangen oder es genügte ihm, denn er ließ mich weiterlaufen. Einige hundert Meter weiter kam dann die offizielle Passkontrolle. Die Dame in dem Büdchen habe nett gebeten, ein Extrablatt zu stempeln, was sie - etwas widerwillig - dann auch getan hat. Die Konversation lief in etwa so:
"Why do you want an extra page?" - "Because it's a new passport, it's valid for ten years and I like to trave." - "Where do you want to travel to?" - "I'm not sure but I know some countries don't like Israeli stamps." - "Which countries?" - "I don't know yet." - "Syria?" - "Yes, maybe Syria." - "Iran?" - "No, not Iran." - "Ok, you can go."
Der extrra gestempelte Zettel wurde mir dann allerdings sofort von einem weiteren Kontrolleur wieder aus dem Passport genommen und einbehalten, so dass mein Pass nun ganz ohne jeglichen Stempel so ausschaut, als wäre ich nie nach Israel eingereist. Solange es keine Probleme bei der Ausreise gibt, bin ich also zufrieden!
Als nächstes wurde ich dann von einem jungen Herrn zu meinen Reiseplänen befragt. Ehrlich wie ich bin, habe ich natürlich sofort von dem Projekt erzählt. Das Gespräch war auch ganz interessant: "How did you find out about the project?" - "I read about it and wrote them." - "Why this project?" - "I like film and cinema and think it's very interesting." - (Augenverdrehen) "Yes, but why in Jenin?" - "An old cinema was renovated there and they are reopening it in August." - "Oh right, the old cinema...I heard about it...come with me please..."
Sodann musste ich mit meiner gesamten Baggage einer jungen Dame in einen extra Raum folgen, in dem sie sämtliches Hab und Gut von mir ausgepackt und mit einem kleinen Tuch abgestreift hat. Dieses kleine Tuch hat sich regelmäßig in eine Maschine gesteckt - wohl um es auf Bombenbaumaterialien oder so zu untersuchen...zum Glück ohne Erfolg! :-) Eine Stunde, viel Gepacke und diverse X-Ray-Untersuchungen meines Gepäcks später konnte ich dann den Staat Israel offiziell betreten.
Hier laufen übrigens wie an allen Flughäfen gewisse Ansagen in einer Endlosschleife. Neben dem gewöhnlichen "Please don't leave your luggage unattended" gesellt sich hier folgendes hinzu: "Attention please: Carrying weapons is prohibited in all the terminal halls." Wäre in Deutschland selbstverständlich, aber hier laufen die Israelis während ihres Militärdienstes, wenn sie bspw. nach Hause fahren, ganz selbstversändlich mit ihren Maschinengewehren durch die Gegend.
So, das Flugzeug von Dagmar ist schon etwas früher als erwartet gelandet. Hoffentlich kommt sie zügig durch die Sicherheitskontrollen. Ich werde die nächsten Minuten damit verbringen zu überlegen, ob ich mir für umgerechnet ca. 3.50 Euro einen Kaffee gönnen soll..
Salam und Schalom ('Frieden' auf Arabisch und Hebräisch)
Daniel
Das Warten ist gar nicht so schlimm, denn ich habe vorhin herausgefunden, dass es am Flughafen hier kostenloses Internet per W-Lan gibt. Da ich ja mit meinem Laptop unterwegs bin, kann ich die Wartezeit also problemlos z.B. damit überbrücken, Musik zu hören und nebenbei meinen ersten Blog-Eintrag zu schreiben.
Die Einreise nach Israel ist überraschend problemlos verlaufen. Wir sind mit etwas Verspätung gegen 1 Uhr gelandet. Direkt nach dem Aussteigen und der ersten Rolltreppe bin ich das erste Mal nach meinem Pass und dem Grund meines Aufenthalts gefragt worden. Kurz überlegt und direkt gesagt, dass ich als Freiwilliger in der Westbank arbeiten werde. Damit konnte der Herr entweder nix anfangen oder es genügte ihm, denn er ließ mich weiterlaufen. Einige hundert Meter weiter kam dann die offizielle Passkontrolle. Die Dame in dem Büdchen habe nett gebeten, ein Extrablatt zu stempeln, was sie - etwas widerwillig - dann auch getan hat. Die Konversation lief in etwa so:
"Why do you want an extra page?" - "Because it's a new passport, it's valid for ten years and I like to trave." - "Where do you want to travel to?" - "I'm not sure but I know some countries don't like Israeli stamps." - "Which countries?" - "I don't know yet." - "Syria?" - "Yes, maybe Syria." - "Iran?" - "No, not Iran." - "Ok, you can go."
Der extrra gestempelte Zettel wurde mir dann allerdings sofort von einem weiteren Kontrolleur wieder aus dem Passport genommen und einbehalten, so dass mein Pass nun ganz ohne jeglichen Stempel so ausschaut, als wäre ich nie nach Israel eingereist. Solange es keine Probleme bei der Ausreise gibt, bin ich also zufrieden!
Als nächstes wurde ich dann von einem jungen Herrn zu meinen Reiseplänen befragt. Ehrlich wie ich bin, habe ich natürlich sofort von dem Projekt erzählt. Das Gespräch war auch ganz interessant: "How did you find out about the project?" - "I read about it and wrote them." - "Why this project?" - "I like film and cinema and think it's very interesting." - (Augenverdrehen) "Yes, but why in Jenin?" - "An old cinema was renovated there and they are reopening it in August." - "Oh right, the old cinema...I heard about it...come with me please..."
Sodann musste ich mit meiner gesamten Baggage einer jungen Dame in einen extra Raum folgen, in dem sie sämtliches Hab und Gut von mir ausgepackt und mit einem kleinen Tuch abgestreift hat. Dieses kleine Tuch hat sich regelmäßig in eine Maschine gesteckt - wohl um es auf Bombenbaumaterialien oder so zu untersuchen...zum Glück ohne Erfolg! :-) Eine Stunde, viel Gepacke und diverse X-Ray-Untersuchungen meines Gepäcks später konnte ich dann den Staat Israel offiziell betreten.
Hier laufen übrigens wie an allen Flughäfen gewisse Ansagen in einer Endlosschleife. Neben dem gewöhnlichen "Please don't leave your luggage unattended" gesellt sich hier folgendes hinzu: "Attention please: Carrying weapons is prohibited in all the terminal halls." Wäre in Deutschland selbstverständlich, aber hier laufen die Israelis während ihres Militärdienstes, wenn sie bspw. nach Hause fahren, ganz selbstversändlich mit ihren Maschinengewehren durch die Gegend.
So, das Flugzeug von Dagmar ist schon etwas früher als erwartet gelandet. Hoffentlich kommt sie zügig durch die Sicherheitskontrollen. Ich werde die nächsten Minuten damit verbringen zu überlegen, ob ich mir für umgerechnet ca. 3.50 Euro einen Kaffee gönnen soll..
Salam und Schalom ('Frieden' auf Arabisch und Hebräisch)
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